Tage wie diese

Schreibe einen Kommentar
Allgemein

Ich kann nicht laufen, aber ich kann es laufen lassen – gäbe es eine Kampagne für den Verzicht auf hormonelle Verhütung und ich würde als Rollstuhlfahrerin dabei mitwirken, wäre das mein (zugegebenermaßen) plumper Slogan.

Ich und die Periode… unsere Beziehung ist kompliziert! Lange waren wir fremde bis eine barrierefreie frauenärztliche Praxis uns einander bekannt gemacht hat. Unsere ersten Begegnungen? Aufwändig, geheimnisvoll und lästig. Viel konnten wir miteinander nicht anfangen, auch wenn ich nachvollziehen konnte, warum sie mich besuchen muss. Doch: ich wollte sie nicht in meinem Leben haben.

Die Tage und gleichzeitig eine körperliche Behinderung zu haben – geht das? Auch wenn ich auch eine Frau bin und genauso zartbesaitet werde, wenn die Hormone eskalieren, fühlte ich mich ausgeschlossen. Die Periode stellte sich heraus als die Grenze der tabuisierten Themen rundum der Schwerbehinderung – vor allem Sex haben und eine Familie gründen (wollen). Ausgerechnet das, was mich mit Milliarden Frauen verbunden hat, wurde zu einer Mauer. Dahinter – gefeierte, bewusste Weiblichkeit. Ich war also da, blutete und stelle für mich fest: ich und sie, das wird nichts. Wir gehören nicht zusammen. Ich habe keine Lust gegen dich zu kämpfen, geh bitte!

Trotz des erhöhten Thromboserisiko fing ich an die Pille zu nehmen. Ich war froh, diesen Bereich meines Körpers kontrollieren zu können. Der hygienische Aufwand brachte mir Erleichterung für einige Jahre. Praktisch, praktisch muss es sein! Ich konnte die Frauen, die nicht hormonell verhüten nicht verstehen und dachte nie, dass ich mal dazugehören werde – diesmal aber richtig.

Ich habe die Entwicklung der geheilten Weiblichkeit beobachtet und begegnete immer mehr Frauen, die frei sein (und bluten) möchten und es gesellschaftstauglich machen möchten. Menstruationstassen und Periodenslips symbolisieren diesen Wandel. Und auch mich erreichte der kollektive Wunsch den weiblichen Körper nicht kontrollieren und optimieren zu müssen. Es fühlt sich richtig an, die Pille abzusetzen. Einige Jahre älter und erfahrener bin ich bereit, zu bestimmter Zeit zartbesaitet und angespannt zu sein.  Es gehört nun mal dazu. Ich übe mich darin das Wunderwerk des Körpers zu anerkennen, denn es ist liebenswert. Ich habe auch meinen Weg gefunden, mich darauf vorzubereiten – ein wenig praktisch darf es ja blieben, wenn man im Rollstuhl sitzt.  

Ich und die Periode… werden wir Freundinnen? Das wünsche ich mir. Irgendwie gehören wir doch zusammen, inklusiv.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.